Archive for the ‘rant’ Category

Unwissenheit, Homophobie, Beißreflex? Über den Niedergang der Diskussionskultur.

July 26, 2011

Ich muss hier einmal etwas loswerden. In den letzten Tagen habe ich mehrere Diskussionen intensiv verfolgt und mich über den Verlauf erschrocken und amüsiert, aber amüsiert nur in der Weise des Zehnjährigen, der mit einem Lächeln verfolgt, wie unter seiner Lupe eine Ameise verbrennt. Aber da es sich bei den Diskutanten nur um anonyme Internetuser handelte, hakte ich das als “jugendlichen Unsinn, Kindergarten” ab.

Heute dann kam der Tropfen, der das Fass zum überlaufen brachte, seit ein kleiner nichtssagender Post plötzlich völlig unerwartete Reaktionen bei den Leuten auslöste, die ich zu kennen glaubte.

Doch fangen wir von vorne an.

Heute Morgen ging diese kurze Nachricht durch die Presse: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1394326/Homo-Ehen-in-New-York-offiziell-erlaubt
Interessant genug, fand ich, sie in meinem sozialen Netzwerk zu posten – und schon hatte ich plötzlich drei Diskussionen am Hals, die mit einer Vehemenz geführt wurden, die mir Angst machte. Drei Diskussionen ist nicht viel gegenüber der schweigenden Mehrheit, doch die Art, wie hier reagiert wurde, ist mir diesen weiteren Post zu dem Thema wert.

Eines vorab: Ich bin ein absolouter Befürworter der Meinungsfreiheit. Jeder soll seine Meinung haben und sie vertreten dürfen, ohne dass ich ihn dafür verurteile. Die Meinung an sich ist mir somit egal. Wer seine Meinung öffentlich postet, sollte auch mit Reaktionen darauf rechnen oder dass seine Meinung hinterfragt wird. Auch klar. Aber die Art, wie eine Meinung vertreten wird, die soll hier einmal an Beispielen näher durchleuchtet werden, denn sie findet sich vergleichbar in allen Diskussionen im Internet wieder.

Was also brachte mich so auf die Palme?

Nur zur Rekapitulation: Obiger Link erklärt, dass in New York homosexuelle Ehen nun erlaubt sind, was zu einem Ansturm bei den Standesämtern führt. Nichts besonderes also, dachte ich, aber für das erzkonservative Amerika ein interessanter Schritt. Nur zur Erinnerung: Gleichgeschlechtliche Ehen sind bereits in 10 Ländern und in 6 US-Bundesstaaten erlaubt.

Erste Reaktion:

Eine direkte Klassifizierung ohne Hinterfragung der Nachricht als ‘Pervers’ – ohne jegliche Begründung. Und das ist schlichtweg diffamierend und beleidigend, stellt es doch Homosexualität auf eine Ebene mit Sadismus, Masochismus und Pädophilie (siehe IDC-10 Klassifizierung psychischer Erkrankungen und Verhaltensstörungen, http://de.wikipedia.org/wiki/Internationale_statistische_Klassifikation_der_Krankheiten_und_verwandter_Gesundheitsprobleme)
Eine derartige Klassifizierung sollte aber seit 1973 der Vergangenheit angehören, nachdem man die Homosexualität aufgrund von Forschungsergebnissen aus dem Katalog der psychichen Störungen strich.

ok. Unwissenheit(?).

Die nächste Klassifizierung erfolgte mit “unnatürlich”. Hmmm. Die Natur bringt Homosexualität bei Mensch und Tier (dokumentiert bei ca. 1500 Arten) hervor. Es ist ja nichts, was man sich “aussucht” oder gar frei entscheiden kann. Ganz im Gegenteil, die Unterdrückung homoerotischer Neigungen aufgrund äußerer Umstände führt oftmals zu schwerwiegenden Störungen bei den jeweiligen Personen.

hmmm. Das würde ich nichtmal unter Unwissenheit fassen, dass ist schon ein (fürs Internet ebenso wie für den Stammtisch) üblicher Beißreflex um seine eigene Meinung hochzupriorisieren. Wenn etwas gegen die natürliche Ordnung ist, muss es ja schlecht sein. In Nebensätzen kommt aber auch eine völlig unbegründete Angst mit zum Vorschein, dass der Fortbestand der Menschheit gar gefährdet sei, da es ja keine Fortpflanzung zwischen gleichgeschlechtlichen Partnern gibt. Eieieiei. Da frage ich mich doch, inwiefern sich die Erlaubnis zur Ehe auf die Zeugung von Nachkommen bei gleichgeschlechtlichen Paaren auswirkt? Oder glaubt der Diskutant ernsthaft, dass wenn man Homosexuellen keine/weniger Rechte einräumt, diese sich ganz normal in den heterosexuellen Pool der Fortpflanzung eingliedern?

Nächster Schritt: Der Gegenangriff. Da ich obige URL geposted hatte, werde ich mal eben kurzfristig als homosexuell abgestempelt. Das birgt tatsächlich schon homophobe Züge, denn damit kann man sich schnell den Rücken freischaufeln. Wenn der “Pro”-Diskutant selber homosexuell ist, dann erklärt sich ja auch, warum er pro ist – und man muss sich mit dem Thema nicht weiter auseinandersetzen. Meist wird das in face-to-face-Diskussionen noch mit einem süffisanten Lächeln unterlegt und applausheischenden Blicken an die Umstehenden, die auch überwiegend darauf anspringen: Schnell noch 2, 3 Schwulenwitze, das Thema ist im Lächerlichen, alles gut. Blos nicht weiter darüber nachdenken….

Die nächste Klassifizierung erfolgt mir ‘anormal’. Auch dieses ist nicht sehr weit gedacht, denn was normal oder anormal ist, bzw. was gesellschaftlichen Normen entspricht, wird zum Glück nicht mehr von einigen Wenigen bestimmt. Aber es hilft, mal schnell eine Diskussion polemisch aufzupeppen, ohne dass man begründen muss was oder warum etwas anormal ist.

Dann kommt aber der Klopper, den man so oder in abgewandelter Form in jeder argumentarmen Internetdiskussion findet: Der Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Man zieht einfach ein Totschlagargument, die moralische Keule, indem man gnadenlos übertreibt. In dieser Diskussion wurde dann einfach mal die homosexuelle Neigung in Vergleich gezogen mit einer theoretischen angeborenen Neigung Menschen zu töten (gibt es das überhaupt?), wahrscheinlich nur um eine moralische Rechtfertigung bzw. Abwertung zu bekommen.

Wehe aber, man hält den Leuten den Spiegel vor, zeigt Ihnen auf, dass sie inkonsequent bei der Verdammung “unnatürlicher” Dinge sind, sobald ihnen die Dinge zum eigenen Nutzen gereichen – schon geht es auf die persönliche Beleidigungsebene und Begriffe wie “armselig” etc. werden gezogen – und das ist bei weitem noch eine der positivsten Reaktionen, da sind nach unten alle Wege offen. Gleichzeitig wirft man schnell dem Anderen Intoleranz für die eigene Meinung vor (warum eigentlich? Es wurde doch nur die Meinung hinterfragt – egal).

Den Rest kennt jeder. Ich zitiere einmal von Wikipedia:

“Mit zunehmender Länge einer Online-Diskussion nähert sich die Wahrscheinlichkeit für einen Vergleich mit Hitler oder den Nazis dem Wert Eins an.” – Mike Godwin[1]

Eigentlich kennt die obige Abfolge so (oder in beliebig abgewandelter Form) jeder, der schon mal im Internet diskutiert hat. Warum nun ein langer Aufsatz zu diesem Thema?

1. I had a dream. Ja, ich dachte wirklich, dass wir (wir, die aufgeklärten Internetuser) inzwischen erhaben wären über Diskrimination aufgrund von Unwissenheit oder Angst. Oder beidem.
Nennt mich dumm oder naiv, weil ich das dachte. Ich hoffe und träume weiterhin, dass eines Tages Menschen nicht mehr nach derartigen Attributen vorverurteilt oder bewertet werden. Ich befürchte, ich werde es nicht mehr erleben…

2. Ich bin ehrlich schockiert darüber, von wem ich derartige Äußerungen zurück bekam. Alle drei Diskutanten stellen das perfekte Bild der 60er-Jahre Durschschnittsfamilie dar: Mann, Frau, 1.5 Kinder im Schnitt, Mann und Frau natürlich verheiratet.
Vielleicht erklärt das ja einiges. Die anderen Bekannten und Freunde, die ungebunden, in eheähnlichen Verhältnissen oder gar geschieden leben, äußerten sich interessanterweise offener. (Es scheint noch Hoffnung für Punkt 1 zu geben)
Vielleicht ändert sich die Meinung ja auch, wenn dieser Heile-Welt-Traum der perfekten Familie plötzlich von der Realität eingeholt wird, was die liberalere Meinung der Geschiedenen erklären würde.

3. Eine Frage, die mich schon seit langem umtreibt: Wissen ist heute für (nahezu) jedermann frei zugänglich. Erst recht für Personen, die jeden Tag mit dem Internet arbeiten. Warum wird trotzdem in Diskussionen immer gleich mit polemischen Stammtischparolen und Mangelwissen um sich geschlagen, ohne auch nur einmal Google oder Wikipedia zu bemühen? Alle drei Diskutanten sind täglich im Internet beruflich unterwegs, haben einen recht guten Bildungsstand.

Und genau in letzterem liegt der Grund für meine Dünnhäutigkeit. Warum machen sich die Leute nicht mal die Mühe, nachzuschlagen ob der eigene Wissenstand über ein Thema überhaupt richtig ist, nein, es wird gleich die große polemische Keule ausgepackt. Das war bei dem Norwegen-Attentat genauso, wo die gesamte Presse nahezu ohne Ausnahme erst einmal reflexartig das Wort “Terror” an die Wand warf, dem gleich eine Anfüllung zum islamistischen Terror etc. zu Gute kommen ließ – und raus damit an die Öffentlichkeit. Bevor man nur irgendetwas wusste. Und entgegen jeglicher Logik. Von den 249 terroristischen Anschlägen in Europa in 2010 hatten gerade einmal 3 einen islamistischen Hintergrund. Egal. Erstmal Beißreflex. Bombe = Terrorismus = islamistischer Terror. Jeder schreibt beim anderen ab und springt auf den Zug auf, der mit Volldampf aufs tote Gleis donnert. Lerneffekt daraus? Null. Bei der nächsten Bombe werden alle es wieder exakt gleich tun.

…und vermutlich werden auch die besagten Diskutanten bei der nächsten Nennung eines passenden Stichwortes wieder die gleiche, unsägliche Diskussionskultur an den Tag legen.

Vielleicht aber auch nicht.

I have a dream….

Menschenverachtende Profitgier

March 15, 2011

Liegt es nur an mir, oder warum finde ich es menschenverachtend und ignorant von “sicheren” Kernkraftwerken und “Restrisiko” zu sprechen, angesichts von Katastrophen wie Harrisburg (1979), Tschernobyl (1986) und Fukushima (2011)?

Ich empfehle mal die Lektüre des folgenden Wikipedia-Artikels – dort findet man unter anderem “Im Durchschnitt über die letzten (ausgehend von 1996) 11 Jahre ereignen sich pro Jahr 132 Vorfälle (kumuliert über alle Meldekategorien).”

Sicher kann man jetzt sagen “ach, das sind doch alles nur harmlose Kleinigkeiten” – dem möchte ich mal die Auslöser der aktuellen Fukushima-Katastrophe entgegenhalten. Sicher, Erdbeben und Tsunami sind eines – doch die hätten nicht zu den aktuellen Problemen geführt, wenn nicht da noch eine weitere harmlose Kleinigkeit die Katastrophe initiierte: Fehlende Kabel für mobile Stromgeneratoren.

Noch Fragen?

 

Edit: Frisch vom Tagesschau-Ticker: “Die US-Regierung will trotz der Geschehnisse in Japan nicht auf den geplanten Ausbau der Atomkraft verzichten. Für Atomkraftwerke in den USA gälten “rigorose Sicherheitsbestimmungen”, die “auch Geschehnisse wie Tsunamis und Erdbeben berücksichtigen”, sagte US-Energieminister Steven Chu.” (http://www.tagesschau.de/nachrichtenticker/)

Da frag ich mich doch: Hat das nicht auch Japan zuvor von seinen Atomkraftwerken behauptet?

Mister Steven Chu: Mit Ihrer Aussage unterstützen Sie in eklatanter Weise den Topic dieses Posts…

Politik muss man nicht verstehen

May 26, 2010

Wahlbeteiligung – miserabel

Ausgang zwischen den großen Parteien – patt

Schwarz-Gelb abgewählt – check

Umfragen zeigen (Tagesschau) das mehr als 50% rot-rot-grün bevorzugen würden.

Und jetzt? Nicht mal ernsthafte Gespräche? Neuwahlen? (Wenn das wie in Hessen läuft, ist schwarz-gelb wieder zurück! AAAAAARGH!) oder gar ne große Stillstandskoalition???

NRW-SPD: Das geht doch wohl besser, oder? Wenn ihr das jetzt wieder versaubeutelt, dann müsst Ihr Euch echt nicht mehr wundern, warum Euch die Wähler weglaufen!

…dann ging der Fernseher aus… (Teil 2)

June 29, 2009

ja, ja, es klingt wie ein billiges Remake, aber letzten Samstag knallte es, es roch nach Ampère – und wieder war der Fernseher aus.

Also: Alle Stecker ziehen, Sicherung wieder rein und Stück für Stück die Stecker wieder einstecken, bis es wieder knallt. Und – tadaaa – diesmal war es mein Computer. Mein geliebter P4 1.7 GHz hatte sein digitales Leben einfach so ausgehaucht. Das war jetzt das dritte Netzteil dieses Jahr, diesmal ein starkes 420 Watt Netzteil. Ich hege langsam die Befürchtung, dass da irgendwas im Rechner selbst meine Netzteile grillt.

Schau’n ‘mer mal, ob ich dieses Jahr noch mal nen Monat erlebe, in dem nichts kaputt geht…

P.S.: Die Waschmaschine macht beim Schleudern auch schon ziemlich heftige Geräusche….

Volksvertreter

June 20, 2009

Die Wahlkampfphase für die nächste Bundestagswahl hat begonnen – Zeit für etwas Politik… :-)

Wer fühlt sich heute eigentlich noch von unseren Volksvertretern angemessen vertreten? Da werden Abmahnungen vom Bundesverfassungsgericht als Steuergeschenk an den Bürger verkauft, da werden marode Industrien mit Milliardenbeträgen künstlich am Leben erhalten (in welchen Aufsichtsräten sitzen noch gleich unsere Volksvertreter “nebenberuflich”?).

Betrachten wir jedoch das ganze einmal etymologisch.

Versicherungsvertreter verkaufen Versicherungen.
Staubsaugervertreter verkaufen Staubsauger.
Volksvertreter verkaufen – richtig, das Volk. Sowohl “für dumm” als auch im finanziellen Sinn. Klassenziel erreicht.

Hype me up, Scotty

June 20, 2009

Jetzt ist es passiert, und das mir als Anti-Trend Läufer. Jetzt habe ich also auch so ein iPhone.

Ja, es ist toll und trendig, ja es hat ja soooooo viele (und meistens recht sinnlose) features. Und was man alles damit machen kann, wenn nicht – ja wenn da nicht diese ultraschlappe Batterie drin wäre. Das geht ja GAR nicht. Wenn man sich da nicht mit Ladegeräten für zu Hause, Firma UND Auto ausstattet, kann man das Ding nur als Modeschmuck gebrauchen, nicht aber als Telefon im Sinne eines – nun ja: Telefons.

Ist halt im Endeffekt doch nur ein Hype…

Sorry, but this post is not available in English

January 14, 2009

Sorry, but this post is not available in English

Service (Part 2)

November 15, 2008

Everyone should get a second chance, but on the other hand it shouldn’t be too easy… Therefore: Let’s go back to the Brauhaus in Bielefeld on a Friday evening – without reservation.

Hmmm – what should I say – everything was way better than the last time we were there. The service was ok, everyone was friendly and fast.

Darn! Nothing to rant about for today…

Service

November 3, 2008

Last Friday we’ve been in the Bielefelder Altstadt for some drinks, in the Brauhaus. Because we’re more than 10 people without reservation (which gave us already an odd expression on the waiter’s face!) we were seated somewhere in the background of the first floor. Waitress of our table was a mid-aged woman.

After serving the first glasses and pitchers some more of us reached the Brauhaus and ordered seperatly – which seemed to be the reason for using up all “goodwill points” the lady had for us. We had to call her to order some snacks, because she was still serving the other tables in our room, but no longer even spent a look at us. Seems calling her over was not the best idea. Asking for a different salat dressing was commented like “nah, today is so much to do in the kitchen, that special orders won’t work”. Special orders???? WHAT? Asking her once more, she said “Can’t promise” and disappeared. Don’t have to tell that there was the original dressing on the salad, do I?

The next 2 hours we got our food and someone came to collect the empty dishes – but the waitress was only seen far away, while she ignored us entirely.

But that’s not the point driving me mad. It’s more how my friends were acting. Sure, all of them were pissed, but when it was time to pay all of them offered the usual tip. In the end I was left as the stupid idiot who was the only one giving no tip for no service.

This is what I call TYPICALLY GERMANS! Ranting and moaning, but cowards when it comes to consequences. Noone will ever change his behaviour that way!

I just had to get that off my chest…